Die Konsumlaune in Deutschland ist im Oktober 2026 deutlich eingebrochen. Das zeigt das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE), das Anfang Oktober veröffentlicht wurde. Nach einem leichten Aufwärtstrend in den Vormonaten liegt die Verbraucherstimmung wieder klar unter Vorjahresniveau.
Für uns im Handel ist das mehr als eine Statistik. Das Barometer misst die erwartete Stimmung der kommenden drei Monate, also genau das Weihnachtsgeschäft. Und es schickt eine unbequeme Botschaft nach Berlin: Die Menschen glauben nicht an den Aufschwung, den Wirtschaftsinstitute und Bundesregierung inzwischen sehen (wollen).
Wir haben uns auf diesem Blog bisher aus der Politik herausgehalten. Diesmal können wir das nicht. Denn was das Konsumbarometer zeigt, ist kein Naturereignis, sondern auch das Ergebnis politischer Entscheidungen und vieler Entscheidungen, die leider nicht getroffen wurden.
Kurz & knapp: Konsumbarometer Oktober 2026
- Stimmung: Das Konsumbarometer sinkt um 1,19 auf 93,51 Punkte, ein Jahr zuvor waren es 96,52.
- Große Anschaffungen: Die Anschaffungsneigung fällt um 2,32 auf 84,15 Punkte und liegt 3,78 Punkte unter Vorjahr.
- Ursache: Gestiegene Energie- und Kraftstoffkosten belasten die Haushaltsbudgets, die Befragten erwarten weiter steigende Inflation.
- Politik: Befristete Entlastungen, ein nicht eingelöstes Stromsteuer-Versprechen und Zickzack-Kurs verunsichern Verbraucher und Unternehmen.
- Möbelhandel: Käufe werden verschoben statt abgesagt: Die Nachfrage wird zäher und preissensibler.
- Handlungsfeld: Finanzierung, Lieferzusagen, Produktdaten, Checkout und Bestandskunden liegen in der eigenen Hand.
Die Zahlen: Vor allem große Anschaffungen fallen aus
Das Konsumbarometer sank im Oktober um 1,19 auf 93,51 Punkte. Ein Jahr zuvor lag es noch bei 96,52. Am stärksten bricht die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ein. Auch die Erwartungen an das eigene Einkommen geben deutlich nach.
| Teilindikator | Oktober 2026 (Punkte) | Veränderung zu September (Punkte) |
|---|---|---|
| Konsumbarometer gesamt | 93,51 | −1,19 |
| Anschaffungsneigung | 84,15 | −2,32 |
| Einkommenserwartungen | 97,28 | −1,91 |
| Konjunkturerwartungen | 76,97 | −1,35 |
| Zinserwartungen | 97,13 | −5,47 |
Quelle: HDE-Konsumbarometer (Handelsblatt Research Institute), Werte nach Retail-News.
Gegenüber Oktober 2025 liegt die Anschaffungsneigung 3,78 Punkte niedriger, die Einkommenserwartung 3,42 Punkte. Als Hauptgrund nennen die Studienautoren gestiegene Energie- und Kraftstoffkosten, die die Haushaltsbudgets aufzehren. Zugleich rechnen die Befragten mit weiter steigender Inflation.
Bemerkenswert ist die Schere: Institute und Unternehmen blicken inzwischen optimistischer auf 2026, mehrere Prognosen liegen über einem Prozent Wachstum. Bei den Menschen kommt davon nichts an, ihre Konjunkturerwartungen sinken weiter.
Zickzack an der Zapfsäule
Nein, Friedrich Merz hat den Iran-Krieg nicht angezettelt, und Lars Klingbeil dreht nicht persönlich am Ölhahn. Aber diese Regierung hat das Kunststück vollbracht, aus einer schwierigen Lage ein Vertrauensdesaster zu machen. Und Vertrauen ist genau das, was das Konsumbarometer misst.
Im Mai und Juni senkte die Koalition die Energiesteuer auf Benzin und Diesel, an der Zapfsäule rund 17 Cent pro Liter. Mitte Juni entschieden die Fraktionen von Union und SPD, den Rabatt auslaufen zu lassen, eine Verlängerung sei finanzpolitisch nicht sinnvoll. Bei starken Preissprüngen werde man schnell reagieren, hieß es.
Schnell war dann nichts. Im August lagen die Kraftstoffpreise fast 28 Prozent über dem Vorjahr. Am 13. September kostete E10 im Schnitt 2,27 Euro, so viel wie nie zuvor. Erst als die Rekorde Schlagzeilen machten, erklärte Friedrich Merz: „Ich bin der Meinung, dass wir handeln müssen“. Ach, wirklich?
Seit dem 1. Oktober gilt nun wieder ein Tankrabatt in gleicher Höhe, diesmal bis Jahresende, für rund 2,5 Milliarden Euro. Ab 2027 ist zusätzlich ein Spritpreisdeckel geplant. Wer eine Entlastung erst streicht und nach drei Monaten Rekordpreisen wieder einführt, macht keine Energiepolitik. Er reagiert getrieben auf Schlagzeilen.
Abseits aller Tankrabatte sollten wir uns eines immer wieder ins Gedächtnis rufen: Von den 2,27 Euro für einen Liter E10 gingen rund 1,02 Euro allein an Steuern, nämlich 65,45 Cent Energiesteuer und gut 36 Cent Mehrwertsteuer. Gut 12 Cent davon sind Steuer auf die Steuer, denn die Mehrwertsteuer wird auch auf die Energiesteuer erhoben. Rechnet man den CO₂-Preis von rechnerisch rund 15,6 Cent hinzu, landen an der Zapfsäule rund 1,17 Euro beim Staat, also mehr als die Hälfte des Literpreises.
Gemessen daran sind 17 Cent Rabatt für drei Monate ein fast schon peinlich wirkendes Trostpflaster.
Gebrochene Versprechen beim Strom
Im Koalitionsvertrag stand die Senkung der Stromsteuer „für alle“ auf das europäische Mindestmaß. Im Sommer 2025 wurde daraus eine Entlastung nur für Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft. Private Haushalte und der Handel gingen leer aus, vertagt bis finanzielle Spielräume bestehen. Auf die werden wir wohl länger warten müssen.
Für die vorgezogene Mütterrente, das Lieblingsprojekt der CSU, fand sich das Geld dagegen erstaunlich schnell. Prioritäten nennt man das. Selbst aus den eigenen Reihen hieß es damals, die Koalition müsse erst einmal verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Kleiner Spoiler: Das hat nicht geklappt.
Fairerweise: Gesenkte Netzentgelte und die abgeschaffte Gasspeicherumlage wirken. Strom war im August 2026 laut Statistischem Bundesamt 5,5 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Das ist nicht nichts. Aber es ist eben auch nicht das, was versprochen wurde.
Und die Stromsteuer ist kein Ausrutscher, sondern Methode. Im Wahlkampf stand die Union fest zur Schuldenbremse. Kurz nach der Wahl ließ Merz sie vom alten Bundestag lockern, inklusive 500-Milliarden-Sondervermögen. Für die Stromsteuer der Bürger war trotzdem kein Geld übrig. Versprochen war ein Politikwechsel, geliefert wird ein Wechsel der Ausreden: Mal fehlt das Geld, mal ist die Weltlage schuld, mal der Koalitionspartner.
Unsicherheit als Konjunkturbremse
Die Inflation lag im September bei 3,3 Prozent, Energie war 14,9 Prozent teurer als im Vorjahr. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel lag nur bei 2,4 Prozent. Wie stark Energiepreise bei den Menschen ankommen, entscheidet die Politik über Steuern und Abgaben zu einem guten Teil selbst.
Die Zurückhaltung trifft nicht nur Verbraucher. Laut Creditreform planen nur noch 37,3 Prozent der Mittelständler Investitionen, der niedrigste Wert seit 20 (!) Jahren, nach 43,5 Prozent im Vorjahr. Wer nicht weiß, was im nächsten Quartal gilt, hält sein Geld zusammen. Beim Sofa genauso wie bei der neuen Maschine.
Was das für den Online- und Möbelhandel bedeutet
Die Anschaffungsneigung misst die Bereitschaft zu größeren Käufen. Genau dort sitzen Möbel, Küchen und Elektronik. Wenn dieser Wert um 2,32 Punkte fällt, trifft es unsere Branche zuerst.
Wir betreuen seit Jahren Online-Shops im Möbelhandel und sehen das Muster: Käufe werden nicht abgesagt, sondern verschoben. Kundinnen und Kunden recherchieren länger, vergleichen mehr und warten auf den richtigen Moment. Für das Weihnachtsgeschäft heißt das: Die Nachfrage ist da, aber sie wird zäher und preissensibler.
Und wir spüren es selbst. Wenn Händler weniger verkaufen, werden zuerst Marketing- und IT-Budgets gekürzt, Projekte geschoben, Relaunches vertagt. Die Rechnung für das Berliner Hin und Her zahlen am Ende der Mittelstand und alle, die für ihn arbeiten.
Was Händler jetzt selbst tun können
Auf Berlin zu warten, ist keine Strategie. Diese Hebel liegen in der eigenen Hand:
Hürden für große Käufe senken: Finanzierung und Ratenkauf sichtbar auf Produktseite und im Checkout platzieren, nicht versteckt im Footer.
Sicherheit verkaufen: Verbindliche Lieferzeiten, Preisgarantien und klare Rückgabebedingungen nehmen Kaufrisiko aus der Entscheidung.
In der Recherchephase präsent sein: Ratgeber, Vergleiche und saubere Produktdaten, auch für KI-Assistenten wie ChatGPT, die Kunden zunehmend bei der Vorauswahl nutzen.
Reibung im Shop beseitigen: Jeder abgebrochene Checkout zählt doppelt, wenn weniger Kunden überhaupt kaufbereit sind.
Bestandskunden aktivieren: Wer schon einmal gekauft hat, vertraut leichter. Newsletter und CRM sind jetzt wertvoller als teure Neukunden-Kampagnen.
Fazit: Planbarkeit statt Stop-and-go
Die Menschen haben das Geldausgeben nicht verlernt. Sie haben das Vertrauen verloren, dass morgen noch gilt, was heute beschlossen wird. Das Konsumbarometer ist deshalb auch ein Zeugnis für die Regierung Merz. Note: mangelhaft. Versetzung gefährdet.
Das Weihnachtsgeschäft 2026 ist noch nicht verloren. Aber es wird von Händlern gerettet werden müssen, denn auf die aktuelle Politik können wir uns offensichtlich nicht verlassen.
Was Handel und Verbraucher jetzt von der Bundesregierung brauchen
- Verlässliche statt befristete Entlastungen: Ein Tankrabatt bis Silvester ersetzt keine Energiepolitik, mit der Haushalte und Betriebe planen können.
- Das Stromsteuer-Versprechen einlösen: Für alle, wie im Koalitionsvertrag zugesagt, auch für private Haushalte und den Handel.
- Schluss mit dem Koalitionstheater: Jede Kehrtwende und jeder Streit, der per Talkshow ausgetragen wird, landet direkt in der Anschaffungsneigung und damit in den Kassen des Handels.
Wo verliert Ihr Shop Umsatz in der Kaufentscheidung?
Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen Produktseiten, Checkout und Produktdaten, damit die zähere Nachfrage im Weihnachtsgeschäft in Bestellungen mündet.
Anfrage sendenHäufige Fragen
Was misst das HDE-Konsumbarometer?
Warum ist die Anschaffungsneigung für den Möbelhandel so wichtig?
Wie hoch ist der Steueranteil am Spritpreis?
Was können Händler im Weihnachtsgeschäft 2026 konkret tun?
Quellen: HDE-Konsumbarometer (Handelsverband Deutschland), Retail-News (5. und 9. Oktober 2026), Statistisches Bundesamt (Inflationsraten August und September 2026), dpa und Volksstimme (Tankrabatt, Juni 2026), Euronews (15. September 2026), Bundesregierung (Regierungspressekonferenz vom 21. September 2026), en2x (CO₂-Aufschlag 2026), Schwäbische und Stuttgarter Zeitung (Stromsteuer, 2025), Creditreform. Dieser Beitrag gibt die Einschätzung der medienpark GmbH & Co. KG wieder. Angaben ohne Gewähr, Stand: 14. Oktober 2026.